XP und Psyche

Ehrlich gesagt, geht es mir jetzt im Moment grade gar nicht gut. In diesem Bericht möchte ich versuchen, die psychische Seite und einige damit verbundenen Erlebnisse von Simon und der Krankheit XP aufzugreifen und zu erzählen.

Nur - über die Psyche zu sprechen ist nicht leicht.

Die Wenigsten geben freiwillig und offen zu, sich mit Psychologie zu beschäftigen. Ich merke grade ein deutliches Magendrücken und ein ganz leises dahinschleichendes Gefühl der Übelkeit macht sich in mir breit.
Warum? Weil ich jetzt in aller Öffentlichkeit zugeben werde, dass ich mich mit alternativen Heilmethoden befasst habe und nach anderen Ursachen gesucht habe, die mit der Entstehung von XP in Verbindung stehen könnten. Warum ich Angst davor habe, das zuzugeben? Weil ich weiß, dass viele glauben, dass man spinnt, wenn man sich mit solchen Dingen beschäftigt. Weil diese Denkweise unheimlich ist. Aber ich habe durch diese alternativen Heilmethoden eines gelernt: Ängste müssen überwunden werden und deshalb wage ich es hier, zum ersten mal nach Jahren, öffentlich zu reden.

Angefangen hat alles im Oktober 1998, nachdem Simon mit 3 Jahren in den Kindergarten kam. Seine Kindergärtnerin hatte sich durch ihre Arbeit mit den Kindern schon intensiv mit Homöopathie, Kinesiologie, und Psychotherapie auseinander gesetzt und immer wieder versucht unser Gespräch darauf zu lenken. Ich war sehr, sehr mißtrauisch und doch weckte 
sie langsam aber sicher eine gewisse Neugierde in mir. Auch wenn ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, dass man bei einer Generkrankung mit diesen Methoden irgendetwas bewegen konnte, wurde mein Bedürfnis immer größer dort hin mal einen Blick zu riskieren.
Das praktische Leben mit dieser Krankheit hatten wir ja super in den Griff bekommen. Alle diversen Schutzmöglichkeiten genial ausgereizt und verwirklicht. Und doch blieb in mir diese gewisse Unruhe.
Hinzu kam, dass Simon fast von Geburt an eine dann bald chronische Mittelohrentzündung entwickelt hatte und ich ihn viel zu häufig mit Antibiotika behandeln mußte, (um nicht zu sagen – ich „fütterte“ ihn geradezu damit!) was, wie wir alle wissen, nicht besonders gesund ist. Intuitiv wechselte ich nun zu einem Kinderarzt, der mit Homöopathie arbeitet. Nach einer ausführlichen Anamnese verordnete er Markus ein homöopathisches Mittel und die Mittelohrentzündung löste sich überraschend schnell auf. Das gab mir Hoffnung. An dieser Stelle möchte ich unbedingt erwähnen, dass Simon seither (er ist heute 19 Jahre alt) kein Antibiotikum mehr einnehmen mußte. 
Dann riet mir meine Kindergärtnerin, mit Simon eine kinesiologische Behandlung auszuprobieren. Ich konnte damals allerdings gar nichts mit diesem Wort bzw. dieser Methode: Kinesiologie anfangen. Dabei klingt es absolut logisch: 
Kinesiologie ist eine Methode, bei der man so genannte „ideomotorische Tests“ anwendet. Das funktioniert ungefähr so: Wenn ich denke: „ich hebe meinen Arm“, dann schickt mein Gehirn „Strom“ in meinen Arm, damit ich das tun kann. Wenn ich dabei jedoch unter Stress gerate, dann wird die Stromzufuhr unterbrochen und ein Teil des „Stromes“ wird abgezapft, um meinen Stress zu bewältigen. Dadurch kann ich meinen Arm nicht mehr mit der selben Kraft anheben, wie vorher. Diesen Zusammenhang kann man benutzen, Fragen an das Unterbewusstsein zu stellen. Daran, ob der Arm stark oder schwach reagiert, kann man dann die Antwort ablesen.
Das interessierte mich und ich fuhr mit Simon zu der Frau, die mir empfohlen worden war.
Langsam entstand ein Netzwerk, das mich innerhalb des nächsten Jahres dabei unterstützte, Schritt für Schritt in ein völlig neues Denken einzusteigen: 
Der Körper besteht aus Atomen und Molekülen, die aus irgendeinem Grund zusammen halten und den Körper bilden. Wenn der Mensch stirbt, verlassen Geist und Seele den Körper. Wenn dies geschieht, bewegen sich die Moleküle auseinander und gehen neue Verbindungen ein. Gedanken wiederum sind elektromagnetische Vorgänge, die die Moleküle durcheinander bringen können, so wie ein Sturm alles durcheinander wirft. Homöopathie wirkt auf eine völlig andere Art, als andere Medikamente. Nämlich nicht, indem sie dem Körper einen Stoff zufügt, der irgendwelche chemische Vorgänge in Kraft setzt, sondern dadurch, dass der Körper Informationen bekommt, die auf physikalischem Weg dem Körper neue Informationen geben. Man kann das mit Funkwellen vergleichen, die von einer Antenne aufgenommen und durch ein Radio übersetzt werden. Genau so geben die homöopathischen Mittel dem Körper die Informationen ihrer Ursprungssubstanz.
Plötzlich veränderte sich ein Pigmentflecken bei Simon. Voller Entsetzen stellte ich fest, dass sich an seiner Lippe ein Fleck „erhob“ und zum Wuchern anfing. Panik pur! Ich eilte mit ihm zum Hautarzt. Dieser sah sich die Wucherung lange an und stellte dann die Diagnose. Tumor – OP – und zwar schnell. Wir machten gleich zwei Tage später einen OP Termin. Mit Tränen in den Augen fuhr ich nach Hause. Von Schlafen war keine Rede mehr. Die Operation rückte näher und meine Nerven lagen blank. 
Am Morgen der OP stand Markus jedoch mit roten Bäckchen vor mir. Ich legte meine Hand auf seine Stirn und stellte auch gleich fest, dass er Fieber hatte. Aufgeregt rief ich beim Hautarzt an. Na toll! OP erstmal bis auf Weiteres verschoben. Simon soll sich erst erholen. Zwei Tage später war dann das Fieber weg – Ich wollte grade beim Arzt anrufen um einen neuen OP Termin auszumachen, da fiel mir fast der Hörer aus der Hand. Ich drehte Simon hin und her und konnte nicht glauben, was ich nicht mehr sah. Der Tumor war verschwunden. Stotternd teilte ich dies dem Arzt mit. Er ging nicht auf meine Beobachtung ein und reagierte nur mit gleichgültigem Schulterzucken. Und doch, es war so. Ich rief sofort meinen Mann im Geschäft an und auch er konnte es nicht glauben. 
Ich drückte meinen Simon ganz fest an mich und vor lauter Freude liefen wieder die Tränen. Diesmal aber die anderen – Freudentränen.
Für mich war dieses „Wunder“ nicht greifbar. ... und doch passiert. Dieses „Wunder“ brachte mich dazu, weiter zu suchen und ich erkannte, dass es noch andere Zusammenhänge geben mußte, die mir die Ärzte nicht erklären konnten, deren Wirkung aber nicht wegzuleugnen war. Hing dies vielleicht doch mit der Psyche zusammen – was immer das Wort Psyche heißen mochte? Wieso verschwanden Flecken und Neue entstanden wieder? Gab es einen Zusammenhang? Konnte die Psyche die Krankheit beeinflussen, oder war das alles nur ein dummer Zufall? Wieso gab es dann überhaupt Krankheiten und wieso konnten diese dann nicht einfach wieder verschwinden? Wieso sterben Leute an Krankheiten und andere werden wieder gesund? 
Wenn man ein krankes Kind hat, dann stellt man viele Fragen, die andere vielleicht gar nicht stellen. Vielleicht gab es ja eine Möglichkeit, die ich noch nicht kannte und ich wollte nichts, aber auch gar nichts unversucht lassen. Also kaufte ich mir ein Buch von Rüdiger Dahlke und schlug unter dem Begriff „Haut“ nach. 
Nachgelesen schmiss mir da unser größtes Sinnesorgan psychisch folgendes um die Ohren:

Schutzschild oder Isolationsschild bilden, menschliche Wärme und Zuwendung vermitteln, Berührung, Wahrnehmung, Tastsinn, kommunizieren, Kontakt, aber auch Grenzen.
Also auch die Abgrenzung eines Menschen von der Außenwelt und die persönlichen Grenzen.
Und ausgerechnet da war mein Simon so krank. Warum? Hatte ich was falsch gemacht? Alles was ich da über Haut las, hatte mit der Psyche was zu tun. Ich geriet in Stress und war völlig aus dem Häuschen. Zuerst bombardierte ich wieder meine Kindergärtnerin mit Fragen. Doch auch sie war bald mit ihrem Latein am Ende und verwies mich nun an die nächste und vorerst letzte Stelle unseres Netzwerks weiter: Es war die Psychotherapeutin, mit der sie schon länger zusammenarbeitete. 
Erst aber war ich am Anfang und hatte einfach nur Angst. Am meisten Angst hatte ich davor, diese Frau würde mir sagen, dass ich daran schuld sei, das Simon so krank war. Aber es kam ganz anders. Die Therapeutin gab mir erstmals Sichtweisen, die ich verdauen mußte. Sie war und dachte völlig anders als ich und lud mich ein, die Dinge von einer völlig anderen Seite zu betrachten. Sie erklärte mir u.a. auch, dass Infektionskrankheiten meistens gleichzeitig Reifephasen sind, in denen sich psychisch vieles verändert und dass Kinder sich oft nach Infektionskrankheiten, die mit Fieber einhergehen, stark verändern. Sie entwickeln sich dadurch geistig und körperlich wieder weiter. Dann brachte sie mir das so genannte „assoziative Denken“ bei und machte mich auch noch auf die Bedeutung der Sprache aufmerksam. Haben Sie zum Beispiel mal drüber nachgedacht, was das Wort „eigentlich“ eigentlich bedeutet und was „uneigentlich“ los ist, wenn man sich eigentlich mit alternativen Heilmethoden auseinandersetzt und/oder beschäftigt? 
Stück für Stück wurde ich immer neugieriger und verlor die Angst. So arbeitete ich mich immer weiter in die neue Denkweise ein. Hier ein Beispiel:

Ein Zufall ist das, was einem zufällt. Es liegt an der Deutung, wie man mit dem umgeht, was einem zufällt. Wenn man XP als Feind betrachtet, wird man es bekämpfen wollen. Wenn man XP als unüberwindbaren Schlag versteht, gegen den man nie eine Chance hat, wird man in Hoffnungslosigkeit ertrinken. Wenn man XP aber als Botschafter betrachtet, wird man es verstehen wollen. Symptome sind Hinweise auf Lernaufgaben, also, so finde ich, ist es doch sinnvoller sie nicht einfach zu bekämpfen, sondern erst mal verstehen, was sie einem sagen wollen.
Ich gebe zu, dass ich am Anfang allen erstmal einen Vogel gezeigt habe. Wie soll man XP verstehen können? Was sollte das? Gemeinsam aber suchten wir nach Erklärungen und es wurde sogar richtig spannend und interessant...

Downloads